FÜR NERVEN WIE DRAHTSEILE –
WIE OLYMPIASIEGER IHREN KOPF TRAINIEREN

 

VON ANGERER BIS RIESCH –
UNSERE MEDAILLEN-GEWINNER VON VANCOUVER

 

 

Interview mit Bild 'Gesund und Fit'

24.02.2010 . www.bild.de

 

 

Die Mission Gold. Für jeden Olympiasieger geht in Vancouver (Kanada) ein Traum in Erfüllung – die Belohnung für jahrelanges hartes Training. Entscheidend ist, auf den Punkt topfit zu sein. Nur: Wie trainiert man das eigentlich?

 

Bei den Olympischen Spielen treffen sich die besten der Besten. Ihre Leistung ist so enorm, dass Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden. Ein Fahrfehler in der Eisrinne, auf der Piste nur kurz gebremst – schon kann der Traum vom Gold vorbei sein. Viele Athleten zerbrechen an diesem Druck und versagen.

Wer gute Trainingsleistungen im Wettkampf bestätigen will, braucht deshalb eine stabile Psyche – sie müssen eiskalt sein.

Sportpsychologe Prof. Dr. Hans Eberspächer von der Universität Heidelberg, langjähriger Betreuer der deutschen Ski-Nationalmannschaft: „Man spricht von Peak Performance – also gut sein, wenn's drauf ankommt! Voraussetzung dafür ist das Zusammenspiel zwischen körperlichen, materiellen und mentalen Ressourcen, die sich gegenseitig unterstützen. Das kann man perfektionieren: durch mentales Training.“

Kann man sich seine Nerven also stark trainieren?

Eberspächer: „Das ist das Ziel. Am besten geht das, wenn man den Ernstfall so oft wie möglich durchspielt. Letztlich ist mentales Training Probehandeln, um auf alles gefasst zu sein – Nervenstärke eben.“ Ein Profisportler, der etwas gewinnen will, muss das aus dem Effeff können. Abläufe werden im Kopf hundertfach durchgespielt, jahrelang. Nur so kann man im Wettkampf den Killerinstinkt wecken.

Deshalb fahren Skiläufer, Bobfahrer oder Rodler die Strecke auch vor dem eigentlichen Start gedanklich ab – und zwar mehrmals. Der Sportler kann sich auf die einzelnen Tore und Kurven besser einstellen.

Im Idealfall findet er dann den Rhythmus, mit dem er seine volle Leistung abrufen kann. Der Ernstfall wird zur Routine und Spitzenleistungen sind auf den Punkt möglich!

Wie können Amateure ihre Mentalkraft für Sport und Alltag trainieren? Lesen Sie hier die Tipps von Prof. Eberspächer:

 

SO TRAINIEREN SIE MENTALE STÄRKE

Fokussieren Sie sich in schwierigen Situationen auf Ihre Stärken („Das kann ich richtig gut!“), die Ihnen Ihre Chancen eröffnen. Lamentieren Sie nicht über Ihre Schwächen, denn die helfen Ihnen nie (!) weiter.

 

Spielen Sie während der Bewältigung schwieriger Situationen Ihre Kompetenz, also Ihre Fähigkeit die anstehenden Probleme zu lösen, aus. Gedanken über Konsequenzen können Sie sich davor und danach machen.

 

Ihre Visionen öffnen den Rahmen für Ihre Ziele. Gehen Sie auf Ihre beruflichen und privaten Ziele Schritt für Schritt zu. Wie ernst es Ihnen damit ist, erkennen Sie dabei an dem, was Sie als nächstes bereit sind selber zu tun, um Ihrer Vision einen Schritt näher zu kommen.

 

Sprechen Sie Ihren Weg mit sich selbst durch. Beobachten Sie dazu auch andere erfolgreiche Menschen – systematisch, regelmäßig, wiederholt.

 

Gerade unter höchster Beanspruchung wird Regeneration zum Wettbewerbsvorteil – auch und gerade zwischendurch. Machen Sie einfache Entspannungsübungen: Komfortable Körperposition, Atempause beobachten, Unterlippe entspannen.

 

Ihre Motivation für engagiertes Handeln ist Ihre Eigenleistung, die Sie sich über sechs Fragen erarbeiten:

Welchen Sinn ergibt das? 

Soll ich das überhaupt? 
Geht das überhaupt? 
Kann ich das? Was habe ich davon? Welche Folgen ergeben sich daraus?


Analysieren Sie Ihr Handeln immer wieder mit 3 Fragen: „Was ist passiert?“, „Warum ist es passiert? und  „Was war mein Beitrag (Zum Misserfolg und zum Erfolg)?“


Geben Sie sich nicht mit Analysen auf Kosten anderer (z.B. Trainer, Kunden, Kollegen, Führung) zufrieden, sondern versuchen Sie stets Ihren Anteil zu verstehen und daraus Ihren Weg abzuleiten.

 

Zögern Sie nicht zu lange bei Entscheidungen, sondern versuchen Sie herauszufinden, welchen Erfolg vergangene Entscheidungen hatten. Gute erkennen Sie daran, dass Sie danach mehr Optionen hatten als davor.


Denken Sie positiv! Erfolg beginnt im Kopf, Misserfolg auch. Lernen Sie, erlebte Situationen und Ihre Emotionen in dem Moment so zu analysieren, dass Sie davon profitieren und sich nicht zusätzlich schwächen.

 

Ihr wichtigster Gesprächspartner sind Sie selbst. Sprechen Sie so mit sich, dass es Sie unterstützt – egal, was Sie tun.

 

In jedem Wettkampf, aber auch im Job-Alltag müssen Sie mentale Stärke auch immer demonstrieren. Arbeiten Sie mit Körpersprache: Sie kommentiert und unterstreicht Ihre gesprochene Sprache, bestätigend oder abschwächend. Unterstützen Sie Ihre Gespräche und Aussagen durch Ihre Körpersprache, sie gilt als ehrlicher, wichtiger und oft unterschätzter Anteil jeder Kommunikation.

 


zurück